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Was ist ein gutes Frühstück bei Insulinresistenz?

  • Autorenbild: Anja
    Anja
  • 17. Juli
  • 4 Min. Lesezeit

Illustration mit Frühstücksessen: Spiegelei, Banane, Zitrone, Toast, Fisch, Kaffee und Messer auf beigem Hintergrund.
Abbildung 1: Frühstücksmöglichkeiten (Quelle WIX)

Porridge mit Obst. Müsli. Vollkornbrot mit Honig. Vielleicht noch ein Glas Orangensaft?

Vieles davon gilt als gesundes Frühstück – und kann es auch sein. Doch wenn die Insulinsensitivität nachlässt, lohnt es sich, die erste Mahlzeit des Tages noch einmal neu anzuschauen. Denn bei Insulinresistenz (also nachlassende Insulinsensitivität ) reagieren die Zellen weniger empfindlich auf Insulin und damit gelangt weniger Glukose aus dem Blut in die Zellen. Als Folge stellt die Bauchspeicheldrüse mehr Insulin bereit, um die Glukose aus dem Blut in die Zellen zu bringen. Größere Mengen an Kohlenhydraten und Zucker können den Blutzucker dann stärker ansteigen lassen als bei einem gut regulierten Stoffwechsel.


Kohlenhydrate sind nicht per se „schlecht“ und müssen auch nicht vom Frühstücksteller verschwinden. Die Menge und Qualität der Kohlenhydrate und die Zusammensetzung der ganzen Mahlzeit haben jedoch einen signifikanten Einfluß darauf, wie wir diese Nährstoffe verstoffwechseln. Studien bei Menschen mit Typ-2-Diabetes zeigen beispielsweise, dass ein deutlich kohlenhydratärmeres Frühstück die Glukoseantwort nach dem Essen und die Glukosevariabilität über den Tag verbessern kann. Daraus folgt nicht zwangsläufig, dass alle Menschen morgens "Low Carb" essen sollten. Es zeigt aber, dass es sich bei einer gestörten Glukoseregulation lohnen kann, die Zusammensetzung des Frühstücks neu zu denken bzw. sich auch mal von anderen Ländern inspirieren zu lassen, die beispielsweise kein Brot zum Frühstück essen.


Frühstück neu denken

Wenn wir in Deutschland an gesundes Frühstück denken, entstehen bei den meisten von uns sofort ähnliche Bilder: Müsli oder Porridge, Vollkornbrot mit Honig oder Joghurt mit Obst.

Frühstück muss weder süß sein noch aus Brot bestehen. Warum also nicht einmal etwas Neues ausprobieren? Hier sind einige Ideen:


Infografik: FRÜHSTÜCK NEU DENKEN – Eiweiß als Ausgangspunkt; Ideen zu Eiern, Brot, Joghurt, Porridge und warmem Frühstück.
Tabelle 1: Frühstücksideen für einen stabilen Blutzucker

Woran erkenne ich, ob mein Frühstück zu mir passt?

Die beste Frühstücksempfehlung nützt wenig, wenn sie im Alltag nicht funktioniert.

Deshalb interessiert mich in der Beratung nicht nur, was jemand isst. Mich interessiert vor allem, was nach dem Frühstück passiert. Bleiben Sie bis zum Mittag angenehm satt? Fühlen Sie sich konzentriert und leistungsfähig? Oder kommt schon nach zwei Stunden der Griff zum nächsten Snack?

Ein besonderes Augenmerk lege ich dabei auf eine ausreichende und angemessene Eiweißzufuhr. Eiweiß trägt zur Sättigung bei und unterstützt den Erhalt der Muskelmasse. Und unsere Muskulatur kann weit mehr, als uns zu bewegen: Sie ist eines unserer wichtigsten Stoffwechselorgane, nimmt einen großen Teil der Glukose aus dem Blut auf und trägt damit wesentlich zur Regulation des Blutzuckers bei.

Inzwischen wissen wir außerdem, dass Muskeln über eigene Botenstoffe – sogenannte Myokine – mit anderen Organen kommunizieren und vielfältige positive Wirkungen auf Stoffwechsel, Gehirn und Wohlbefinden entfalten können. Man spricht deshalb manchmal sogar von der Muskulatur als einer „Apotheke des Körpers“. Eiweiß als wichtiger Baustein für unsere Muskulatur ist also kein hipper Ernährungstrend, sondern ein sinnvoller Bestandteil eines stoffwechselgerechten Frühstücks.


Mindestens ebenso wichtig ist jedoch die Frage: Wie reagieren Sie selbst auf Ihr Frühstück?

Mit drei einfachen Fragen können Sie einen guten Eindruck davon bekommen, ob es für Sie passt:

Bleibe ich vier bis fünf Stunden angenehm satt?

Fühle ich mich nach dem Frühstück wach und leistungsfähig?

Kann ich diese Mahlzeit gut – also ohne Beschwerden – verdauen?

Wenn Sie diese drei Fragen mit Ja beantworten können und Ihnen Ihr Frühstück außerdem schmeckt, sind Sie schon auf einem ziemlich guten Weg.


Hier kommt Ayurveda ins Spiel

An dieser Stelle erweitert Ayurveda den Blick der modernen Ernährungsmedizin um eine interessante Perspektive.

Neben der Frage, was eine Mahlzeit enthält und wie sie sich auf den Stoffwechsel auswirkt, rückt eine weitere Frage in den Mittelpunkt: Wie gut kann dieser Mensch diese Nahrung tatsächlich verarbeiten?


Eine zentrale Rolle spielt dabei Agni, häufig übersetzt als „Verdauungsfeuer“. Gemeint ist damit weit mehr als nur die eigentliche Verdauung: Agni beschreibt die Fähigkeit, Nahrung aufzunehmen, zu verarbeiten und für den Organismus nutzbar zu machen.

Agni ist dabei nicht mit Insulinsensitivität oder Stoffwechsel gleichzusetzen. Dennoch finde ich diesen Blickwinkel ausgesprochen hilfreich. Denn er erinnert uns daran, dass dieselbe Mahlzeit bei zwei Menschen ganz unterschiedlich wirken kann.


Genau deshalb gehören für mich beide Perspektiven zusammen: moderne Stoffwechselmedizin und die genaue Beobachtung des eigenen Befindens. Laborwerte und Blutzuckerverläufe können uns wichtige Informationen geben – ebenso wie Sättigung, stabile Energie, eine gute Verdauung und das Gefühl, dass eine Mahlzeit wirklich guttut.



Schritt für Schritt zum eigenen Frühstück bei Insulinresistenz

Genau so arbeite ich auch in meiner Stoffwechselberatung. Am Beispiel Frühstück schauen wir zunächst, was bereits gut funktioniert und wo kleine Veränderungen sinnvoll sein könnten.

Oft braucht es gar keinen komplett neuen Speiseplan. Vielleicht etwas mehr Eiweiß, eine kleinere Portion Haferflocken oder einmal ein herzhaftes statt eines süßen Frühstücks. Vielleicht stellt sich auch eine warme Mahlzeit am Morgen als überraschend wohltuend heraus.


Solche Veränderungen entwickeln wir gemeinsam und alltagstauglich – nicht mit dem Anspruch, möglichst perfekt zu essen, sondern mit dem Ziel, eine Ernährung zu finden, die zu Ihrem Stoffwechsel und zu Ihrem Leben passt.


Mein Fazit

Das beste Frühstück steht in keinem Ernährungsratgeber. Bei Insulinresistenz sind eine gute Eiweißquelle, ballaststoffreiche Lebensmittel, hochwertige Fette und eine individuell passende Menge an Kohlenhydraten ein guter Ausgangspunkt. Aber vielleicht ist die wichtigste Frage am Ende ganz einfach:


Freuen Sie sich auf Ihr Frühstück – und fühlen Sie sich damit bis zum Mittag satt, wohl und leistungsfähig? Wenn Sie das mit Ja beantworten können, sind Sie Ihrem persönlichen guten Frühstück schon ziemlich nahe.


Neugierig geworden?

In meiner ganzheitlichen Stoffwechselberatung verbinde ich aktuelle Erkenntnisse zu Insulinresistenz und Stoffwechsel mit Ernährung, Bewegung und Stressregulation und – wo sinnvoll – mit der individuellen Perspektive des Ayurveda. Gemeinsam entwickeln wir Lösungen, die zu Ihrem Stoffwechsel, Ihrem Alltag und Ihren persönlichen Bedürfnissen passen.


Interessante Quellen:

  • Oliveira BF et al. Impact of a Low-Carbohydrate Compared with Low-Fat Breakfast on Blood Glucose Control in Type 2 Diabetes: A Randomized Trial. American Journal of Clinical Nutrition, 2023. Studie bei PubMed

  • Sylow L et al. The many actions of insulin in skeletal muscle, the paramount tissue determining glycemia. Cell Metabolism, 2021. Übersichtsarbeit bei PubMed

  • Kohanmoo A et al. Effect of short- and long-term protein consumption on appetite and appetite-regulating gastrointestinal hormones. Clinical Nutrition, 2020. Meta-Analyse bei PubMed

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